Die Geschichte der Stettiner Juden vor und nach 1945 – dreitägige deutsch-polnische Studienreise für MultiplikatorInnen nach Warschau / Warszawa ins Museum der Geschichte der Polnischen Juden POLIN

Termin: 4.-6. November 2016

Das Schicksal und die Herkunft der Stettiner Juden vor und nach 1945 waren umfassend bis vor kurzem noch weitgehend unerforscht und einer breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt.* Im Rahmen der Studienreise, die unter der Schirmherrschaft der Soziokulturellen Gesellschaft der Juden (Towarzystwo Społeczno-Kulturalne Żydów (TSKŻ) in Stettin / Szczecin, steht, soll das doppelte, jüdische Kulturerbe Pommerns der jungen Generation im Rahmen von Impulsvorträgen, Gruppenarbeit und Besichtigungen näher gebracht werden. Schon zuvor arbeitete das Pommersche Landesmuseum mehrfach mit dem TSKŻ und seiner Leiterin Frau Róża Król zusammen. Mit Dr. des. Achim Wörn konnte ein ausgesprochener Kenner des jüdischen Stettin für die Exkursionsleitung gewonnen werden.

Unsere Reise beginnt inhaltlich schon auf dem Stettiner Hauptbahnhof, von wo aus wir uns auf den Spuren der in der Hafenstadt angesiedelten polnischen Juden weiter nach Osten begeben. Der Höhepunkt der Studienreise wird der Besuch im Museum der Geschichte der Polnischen Juden POLIN sein, dem Europäischen Museum des Jahres 2016. Dort blicken wir in die Depots und in die Ausstellung und lernen mehr über die Kultur und Geschichte der jüdischen Nachkriegsbevölkerung Stettins sowie ihre Herkunftsgemeinden, die sich über das ganze Vorkriegsterritorium Polens erstreckten. Anschließend erkunden wir jüdische Spuren in der Stadt, besichtigen den jüdischen Friedhof und die Synagoge. Durch Gespräche, Vorträge und die Berührung mit der jüdischen Kultur Warschaus wird das Thema in einem breiteren, kulturhistorischen Kontext erlebbar.

Exkursionsleitung: Dr. des. Achim Wörn

Sprachen: deutsch und polnisch

Teilnehmerbeitrag: 40 EUR – incl. Übernachtung und Frühstück, Transfer

Unterkunft in Mehrbettzimmern.

 

Ablauf:

Freitag 4. November

Gemeinsame Anreise der Gruppe mit Bus und Bahn ab Greifswald/Pasewalk und Stettin

Ankunft in Warschau und Bezug der Zimmer im Hostel

Geführter Stadtspaziergang

Gemeinsames Abendessen

 

Samstag 5. November

Besuch und Führung im Museum der Geschichte der Polnischen Juden POLIN

Abend zum Selbststudium

 

Sonntag 6. November

Besichtigung des jüdischen Friedhofs

Abfahrt nach Stettin und Greifswald/Pasewalk

 

 

Organisation und Information:

Dorota Makrutzki

Pommersches Landemuseum

Rakower Straße 9

17489 Greifswald

Tel.: 03834-83 12 16

 

Wir bitten um verbindliche Anmeldung bis zum 3. Oktober unter:

kulturreferat@pommersches-landemuseum.de

oder telefonisch unter: (03834) 831216

 

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Änderungen im Programm sind möglich.

Ein Angebot der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg in Kooperation mit der TSKŻ. Gefördert durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien.

 

* Die jüdische Gemeinde der Provinz Pommern mit ihrer Hauptstadt Stettin – eine der im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung kleinsten im Deutschen Reich – ereilte ein besonders tragisches Schicksal: Auf Anordnung des Gauleiters Schwede-Coburg wurden bereits im Februar 1940 als erste überhaupt ca. 1.100 Stettiner Juden in das Generalgouvernement deportiert. Die meisten davon wurden später im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ ermordet. Bei Kriegsende lebten nur noch wenige deutsche Juden in Stettin. Die Überlebenden sahen sich aufgrund der sich ändernden politischen Lage aber schon bald gezwungen, die Stadt in Richtung Westen zu verlassen. Nach Kriegsende stellte Stettin neben Breslau und Niederschlesien schließlich das zweite Zentrum der Ansiedlung „repatriierter“ polnischer Juden dar. Sie stammten ursprünglich aus dem zwischen 1939 und 1941 im Zuge des Hitler-Stalin-Pakts sowjetisch besetzten Gebieten Ostpolens oder waren dorthin aus den von den Deutschen kontrollierten Landesteilen geflohen. Von den sowjetischen Behörden waren viele von ihnen als politisch missliebige Personen ins Innere der Sowjetunion deportiert worden, während sich andere auf der Suche nach Arbeit freiwillig in die sowjetischen Industriereviere begeben hatten. Im Frühjahr 1946 wurden in Stettin etwa 28.000 polnische Juden angesiedelt, die den Krieg in der Sowjetunion überlebt hatten. In der Folgezeit entwickelte sich ein vielfältiges soziales und kulturelles jüdisches Leben in der Hafenstadt, zudem nahmen zahlreiche jüdische Institutionen ihre Arbeit auf. Wegen der schwierigen Lebensbedingungen, der schmerzhaften Konfrontation mit dem Verlust der Angehörigen im Holocaust und des massiven polnischen Nachkriegsantisemitismus emigrierte die Mehrheit der Juden bereits in den ersten Monaten nach der Ansiedlung. Im Jahr 1950 zählte die Stadt noch etwa 4.000 jüdische Einwohner. Jedoch war die kulturelle und soziale Autonomie der jüdischen Bevölkerung bis dahin aufgrund der fortschreitenden Stalinisierung des Landes weitgehend zum Erliegen gekommen. Die antisemitischen Kampagnen in den Jahren 1956/57 und insbesondere 1968 führten dazu, dass die meisten der verblieben (und oftmals stark assimilierten) Juden ihr Heimatland ebenfalls verließen. Die jüdischen Spuren in Stettin wurden weitgehend verwischt und die Teilhabe dieser Bevölkerungsgruppe am gesellschaftlichen Leben geriet in Vergessenheit. Erst nach 1989 wurde das jüdische Stettin allmählich wiederentdeckt.